1972, als in Polen noch kaum jemand von Feminismus sprach, zeigt sich Anna Swirszczynska mit der Erstvero¨ffentlichung ihres Gedichtbandes Jestem baba – Ich bin ein Weib als eine mutige Vorreiterin weiblicher Lyrik und stellt wie in einem poetischen Spiegel das gesellschaftlich bedingte Leid von Frauen dar. – Heute, mehr als ein halbes Jahrhundert spa¨ter, erscheint der Band wie eine kluge soziologische Studie zu Gewalt und Geschlechterrollen und ist in seiner Stichhaltigkeit und Kraft a¨ußerst aktuell. Dass es ihr zugleich gelingt, auch die Scho¨nheit glu¨ckender Liebe in dieser Sammlung zu besingen, zeigt, wie sehr die Autorin weiß, dass wir als Individuen den erstarrten Strukturen etwas zutiefst Perso¨nliches entgegensetzen ko¨nnen.